15.06.2005

Bodenbeläge für Health & Care

Moderne Architektur kombiniert mit fortschrittlicher Medizin- und Haustechnik verlangt im Health & Care-Bereich auch adäquate Bodenbeläge. Dabei muss vor allem ein wohnliches Ambiente mit zahlreichen technischen Forderungen in Einklang gebracht werden. Dazu zählen Eigenschaften wie z.B. Ableitfähigkeit, Desinfizierbarkeit und Dekontaminierbarkeit. Über die unterschiedlichen Anforderungen und Lösungen in den einzelnen Bereichen einer Health-Care-Einrichtung berichtet in dem folgenden Beitrag Stephan Winkler, zukünftiger Leiter Technischer Service Objekt von Tarkett.

1. OP-Bereiche, Intensivstationen und Untersuchungszimmer

Im OP und auf Intensivstationen schützen elektrostatisch ableitfähige Bodenbeläge zum einen vor Explosionen von explosiven Gas-Luftgemischen z.B. von Anästhesiegasen. Zum anderen bewahren sie empfindlichste, lebenserhaltende elektronische Geräte vor Fehlfunktionen. Ursache für diese Gefahrenquellen ist die so genannte Aufladespannung. Dabei handelt es sich um eine elektrische Spannung, die z.B. beim Begehen eines Bodenbelages entsteht. Sie kann nicht abfließen, wenn isolierende Materialien zwischen der Spannung und der Erde liegen. Diese Aufladespannungen können Größenordnungen von über 20.000 V erreichen und bei entsprechender Nähe oder Kontakt zu einem leitenden Werkstoff durch eine schlagartige Entladung abfließen. Aus diesem Grund werden in OP-Bereichen elektrostatisch ableitfähige Bodenbeläge eingesetzt, die einen Potenzialausgleich ermöglichen und so unkontrollierte elektrostatische Entladungen verhindern. Die Verwendung von geeignetem Schuhwerk ist ebenfalls zwingend vorgeschrieben.

Die Anforderung an die Ableitfähigkeit des Bodenbelages beim Einsatz in medizinisch genutzten Bereichen ist in der BGR 132 (Berufsgenossenschaftliche Regeln für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, Ausgabe Juli 2004) geregelt. Hier heißt es: "Der Ableitwiderstand des Fußbodens darf höchstens 108 W betragen. Bei Bodenbelägen, bei denen eine Erhöhung des Ableitwiderstandes während des Gebrauches nicht ausgeschlossen ist, darf der Ableitwiderstand im Neuzustand höchstens 107 W und nach vier Jahren höchstens 108 W betragen." Als physikalisch leitfähiger Bodenbelag erfüllt z.B. Toro EL wie auch Granit AS diese Forderung.

Der OP-Betrieb stellt hohe Anforderungen an die mechanische Belastbarkeit von Bodenbelägen. Hier werden täglich schwere Lasten wie OP-Tischtransporter auf Rollen bewegt. Homogene PVC-Bodenbeläge können hier selbst schwerste Beanspruchungen von bis zu 5 N/mm2 durch dynamische Lasten verkraften. Auch die chemische Belastung des Bodenbelages ist in OP-Bereichen besonders hoch. Meist wird hier mehrmals täglich desinfiziert. Gleichzeitig besteht die Gefahr der Fleckenbildung durch gefärbte Hautdesinfektionsmittel.

2. Röntgen-, Bestrahlungsbereiche und Computertomographie

In Bereichen, wo mit radioaktiven Strahlen gearbeitet wird, muss ein Bodenbelag die Möglichkeit der Dekontaminierung nach DIN 25415 Teil 1 aufweisen. Daneben kann auch hier die elektrostatische Ableitfähigkeit des Bodenbelags eine notwendige Anforderung darstellen, falls diese vom Gerätehersteller gefordert wird.

3. Laboratorien

Im Health & Care Bereich gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Laboratorien. Je nach Typ treten hier die verschiedensten Substanzen mit dem Bodenbelag in Kontakt. Entsprechend sollten die Bodenbeläge eine gute Beständigkeit bei Prüfungen der Chemikalieneinwirkung nach EN 423 aufweisen.

4. Therapiebereiche und Flure

In der Bewegungstherapie und in Fluren wird ein gutes Trittschallverbesserungsmaß von Bodenbelägen zur Vermeidung von unangenehmen Geräuschpegeln gefordert. Im Therapiebereich wird darüber hinaus eine besondere Elastizität des Belages gewünscht. Diese wird z.B. durch eine Schaumunterschicht erreicht, die den Trittschall entsprechend EN ISO 140-8/717-2 senkt.

5. Krankenzimmer

In Krankenzimmern stehen Hygieneanforderungen und eine leichte Desinfizierbarkeit im Vordergrund. Eine gute Lösung können IQ Level 1-Bodenbeläge von Tarkett mit Polyurethan-Vergütung sein. Eine spezielle Rohstoffkombination in Verbindung mit einer in den Produktionsprozess integrierten PUR-Ausrüstung unterstützen lange Lebenszyklen und niedrigste Unterhaltskosten. Bei Beachtung und Einhaltung der Reinigungs- und Pflegehinweise benötigen diese Bodenbeläge über die gesamte Lebensdauer keine Einpflege und reduzieren den Wasser- und Chemikalienverbrauch erheblich ? und damit auch die Reinigungskosten. Organisatorische Beeinträchtigungen durch mit Grundreinigung und Einpflege verbundenen Trocknungszeiten entfallen völlig.

Für eine einfache Reinigung ist besonders eine wannenförmige Verlegung - beispielsweise nach der Tarkett-Methode - praktikabel. Hierbei wird der Belag nahtfrei aus der Bodenfläche an der Wand hochgezogen. Eine Unterlegung eines Hohlkehlprofils ist nicht notwendig. Neben den obligatorischen Bahnennähten entstehen hierbei lediglich im Bereich der Innen- und Außenecken sehr kurze Nahtbereiche, die thermisch verschweißt werden müssen. So entsteht ein Übergang zwischen Wand und Bodenbelag, der den höchsten Hygieneanforderungen entspricht.

6. Nassräume

In Nassräumen können mit kleinen Noppen ausgestattete homogene Bodenbeläge verwendet werden. Bei Prüfung der rutschhemmenden Eigenschaften im nassbelasteten Barfußbereich gemäß DIN 51097 wird der Belag durch einen erreichten Mindestneigungswinkel von 29° in den Anwendungsbereich A, B und C der GUV-I 8527 nach den Vorschriften der gesetzlichen Unfallversicherung eingeordnet. Wannenförmig verlegte Beläge können in Verbindung mit geeigneten Bodenabflüssen als barrierefreie Nassräume errichtet werden. Hilfreich im Nassbereich können auch heterogene Wandbeläge sein: Durch den gleichzeitigen Einsatz von Boden- und Wandbelägen entsteht eine extrem widerstandsfähige, elastische, leicht zu reinigende und 100 % wasserdichte Oberfläche.

7. Alten- und Pflegeheime

Für ältere Menschen ist insbesondere die Rutschsicherheit eines Bodenbelages wichtig. Dafür müssen elastische Beläge mindestens die Rutschklassifizierung R9 nach DIN 51130/ BGR 181 erfüllen. Es gibt aber auch Beläge, die der Rutschsicherheitsklasse R10 oder R11 entsprechen. Viele Alten- und Pflegeheime favorisieren im gesamten Bereich textile Beläge, da das Haus Wärme und Geborgenheit ausstrahlen soll. Textile Beläge erfordern in diesen Einrichtungen eine besonders hohe Strapazierfähigkeit. Dabei ist wichtig, dass die Bodenbeläge Nässe, Feuchtigkeit oder häufige Reinigung aushalten müssen.

8. Besucherzimmer und Aufenthaltsräume

In Besucherzimmern und Aufenthaltsräumen kann ein freundliches Ambiente eine entspannte Kommunikation fördern. Die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten und Designs
in Verbindung mit der extremen Belastbarkeit empfehlen hier besonders den Einsatz
von heterogenen PVC-Objektbodenbelägen.
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